Klimastadt Bremerhaven

Pressemitteilung vom 17.01.2014

Eisbärenbaby als Klimabotschafter einsetzen

BREMEN. Das Eisbärenbaby im Zoo am Meer weckt Begehrlichkeiten. Während der Kämmerer auf billigen Kommerz setzt, fordert der NABU, das Tier als Klimabotschafter einzusetzen.

Der Eisbär ist wie kaum eine andere Tierart durch den Klimawandel bedroht (Foto: Kathy Crane, NOAA Arctic Research Program)
Der Eisbär ist wie kaum eine andere Tierart durch den Klimawandel bedroht (Foto: Kathy Crane, NOAA Arctic Research Program)

Kaum eine andere Tierart sei derart direkt durch den Klimawandel bedroht. Gleichzeitig biete die Niedlichkeit des kleinen Bären die Chance, Klimaschutz auch emotional zu transportieren, so die Naturschützer. "Wenn wir weiter so hemmungslos das Klima anheizen, wird die Art Eisbär die nächsten 50 Jahre in freier Wildbahn nicht überleben", betont NABU-Geschäftsführer Sönke Hofmann, "ihr Lebensraum schmilzt ihnen buchstäblich unter den Tatzen weg. Sie finden kaum zu fressen und wiegen jetzt bereits deutlich weniger als noch vor 20 Jahren." Eisbären seien damit die prominentesten Verlierer des Klimawandels. Nur eine enorme Gesamtanstrengung der Menschheit könne sie noch retten, so der NABU.

 

"Wenn die Seestadt Bremerhaven den Eisbären-Nachwuchs vermarkten will, sollte sie dies als Klimastadt tun und nicht als Geldeintreiber", so der NABU. Dies bedeute aber auch, dass die Anstrengungen im Klimaschutz deutlich verstärkt werden müssen. "Bisher sind das bestenfalls symbolische Aktionen oder reine Lippenbekenntnisse", urteilen die Umweltschützer. Energieeinsparung sei das effektivste Mittel, Kohlendioxid zu vermeiden. Der NABU fordert einen gut ausgestatteten Sondertopf zur Dämmung öffentlicher Gebäude. Auch im Verkehr sei noch viel zu tun: "Bremerhaven ist immer noch eine autogerechte Stadt, der unsinnige Hafentunnel unterstreicht diese Grundhaltung aktuell noch einmal." Das Geld für den Hafentunnel wäre besser in der Gebäudedämmung investiert worden.

 

Eine Selbstverständlichkeit sollten Landanschlüsse für Schiffe sein, damit das Schweröl der Schiffsdiesel nicht durch die Stadt rußt. "Ein Ziel muss die Landversorgung aller im Hafen liegenden Schiffe mit Ökostrom sein", fordert der NABU. Die Feinstaubbelastung insbesondere durch Kreuzfahrtschiffe sei enorm: Im Sommer maß der NABU in Hamburg über 200.000 Feinstaubpartikel pro Kubikzentimeter Luft neben dem Kreuzfahrtterminal.

Vom Land Bremen erwartet der Umweltverein mehr Engagement in Sachen Meeresumweltschutz: "Ruß aus Schiffsdieseln und anderem Verkehr schwärzt das arktische Eis und heizt das Abschmelzen der Polarkappen ganz besonders an", weiß Sönke Hofmann zu berichten, "bislang wurde dieser Effekt unterschätzt." Hier müsse politischer Druck aufgebaut werden, um Russfilter und andere Dieselsorten durchzusetzen.

 

Ebenfalls müsse die Verschmutzung der Meere mit Plastikmüll gestoppt werden, Nanoteile und Weichmacher finden sich in Fischen und auch den Eisbären. "Das Land Bremen kann eine kostenlose Müllentsorgung im Hafen anbieten, um Anreize zu schaffen", fordert der NABU. Auch Plastikvermeidungsstrategien bis hin zu Tütenverboten wären vorbildlich. "Es reicht nicht, sich Klimastadt zu nennen und das Klimahaus zu betreiben."